Die COVID-19-Pandemie hat das gesellschaftliche Leben erheblich beeinflusst, darunter auch die Tätigkeit religiöser Institutionen. Die in vielen Ländern eingeführten Hygienebeschränkungen, darunter unter anderem Einschränkungen für öffentliche Versammlungen und die vorübergehende Aussetzung liturgischer Feiern, zwangen die kirchlichen Gemeinschaften dazu, nach neuen Formen der Seelsorge zu suchen. Besondere Herausforderungen ergaben sich in der Migrationsseelsorge, die neben ihrer religiösen Dimension auch wichtige soziale, kulturelle und integrative Funktionen erfüllt. Ziel des Artikels ist es, die Veränderungen in der pastoralen Tätigkeit der Polnischen Katholischen Mission in Deutschland während der COVID-19-Pandemie zu analysieren. Im Mittelpunkt der Überlegungen steht die Frage nach den Auswirkungen der Pandemie auf die Funktionsweise der Strukturen der polnischen Seelsorge sowie nach neuen organisatorischen und pastoralen Lösungen, die in dieser Zeit entstanden sind. Die Studie berücksichtigt auch die Identifizierung von Ressourcen und Potenzialen, die sich in der Krisensituation gezeigt haben, sowie die Schwierigkeiten und Gefahren, die mit den hygienischen Einschränkungen verbunden sind. Die methodische Grundlage bildet die pastorale Methode „Sehen – Bewerten – Handeln”, ergänzt durch eine SWOT-Analyse und Elemente der teilnehmenden Beobachtung. Der verwendete Ansatz ermöglicht sowohl die Beschreibung der pastoralen Erfahrungen während der Pandemie als auch deren Interpretation aus theologisch-pastoraler Perspektive. Die Ergebnisse der Analyse zeigen, dass die Pandemie einen Impuls zur Intensivierung neuer Formen der pastoralen Kommunikation, zur Entwicklung digitaler Initiativen und zur Stärkung der Solidarität in der Gemeinschaft gegeben hat, gleichzeitig aber auch organisatorische Grenzen und Herausforderungen für die Migrantenpastoral aufgezeigt hat.