Published: 1996-12-31

Das Problem Petri in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Von Oscar Cullmann (1952) zu der Enzyklika Ut unum sint (25 V 1995) von Johannes Paulus II

Stanisław Pisarek

Abstract

Der Artikel ist die Wiedergabe der Vorlesung anläßlich der Inauguration des Studienjahres 1995/96 im Priesterseminar der Erzdiözese Kattowitz, das an die Theologische Fakultät der Päpstlichen Akademie in Krakau angeschlossen ist. Auf dem Hintergrund des Pontifikats von Pius XII. präsentiert und bewertet der Autor zuerst die Monographien von O. Cullmann (Petrus. Jünger – Apostel – Märtyrer. Zürich- Stuttgart 1991) und A. Penna (San Pietro, Brescia 1954). Der ökumenische Dialog in der Sache Petri hat schon zur Zeit des Pontifikats Pius XII. begonnen (Ausgrabungen unter der Petrusbasilika auf dem Vatikan, die Monographien von Cullmann, protestantisch, und von Penna, katholisch). In ihm tauchte die Jakobusfrage, des Bruders des Herrn auf. Angeblich sollte er als Nachfolger Petri in Jerusalem auch im Primat, ihn von dort über die ganze Kirche ausgeübt haben.
Aus der Inspiration des Vaticanum II. ist das Sammelwerk unter der Schriftleitung von R. E. Brown, K. P. Donfried und J. Neumann, unter dem Titel: Peter in the New Testament. A collaborative Assesment by Protestant and Roman Catholic Scholars (New York 1973) entstanden. Schon 1974 erschien seine französische Übersetzung und 1976 die deutsche. Es enthält die Ergebnisse der Erforschung der Frage Petri, die in den USA von 11 Bibelwissenschaftlern unternommen wurde. Dieses Werk war als ein Dokument verstanden, das die Grundlage für den ökumenischen Dialog über die Rolle des Papsttums in der ganzen Kirche bilden sollte. Es geht in ihm um die Antwort auf die Frage nach der Funktion des „Amtes Petri” in der sehr breit verstandenen Kirche. In dieser Hinsicht wurde in den USA die Deklaration „Papal Primacy and The Universal Church” herausgegeben (von Paul C. Empie und T. Austin Murphy, Minneapolis 1974; Lutherans and Catholics in Dialogue V).
Das Bild Petri ist verschieden in den einzelnen Berichten des Neuen Testaments (Petrus der Bekenner, der Missionar, der reumütige Sünder, der Zeuge, der Seelenhirt, der Lehrer, der Sprecher). Die Exegese der Texte über den Petrus im Neuen Testament führt zu dem Ergebnis: Petrus nahm einen besonderen Platz zur Zeit Jesu im Kreis seiner Anhänger wie auch in der postpaschalen Kirche ein. Er übte die Funktion aus, die der Einheit der Kirche diente. Die Fortdauer dieser Funktion in der Kirche nach dem Tode der Apostel war ein Wille Jesu. Die „Petrusfunktion” begrenzte sich nicht auf den einen Petrus, jedoch war sie mit seinem Bild in der Apostelgeschichte und auch in den Paulus-Briefen verbunden. Sie diente der Einheit der Kirche: Paulus war dessen bewußt. In der Praxis wurde sie auch dem Bischof von Rom zugestanden. Die „Cathedra Petri” in Rom war die Instanz, an die man sich in Sachen der Lehre und um die kirchliche Einheit zu bewahren, wendete.
Im Dialog über den Primat Petri disponieren die Polen über eine Monographie über ihn, die von Bischof Kazimierz Romaniuk verfaßt wurde. Sie hatte schon drei Auflagen (1982,1990, 1995). Sie hat jedoch einen populärwissenschaftlichen Charakter (Święty Piotr – Życie i dzieło, Katowice 1995).
In Deutschland hat sich R. Pesch in den 80. Jahren in den ökumenischen Dialog über die Lösung des Problems Petri mit der Publikation seiner großen Monographie eingereiht (Simon Petrus. Geschichte und geschichtliche Bedeutung des ersten Jüngers Jesu Christi, Stuttgart 1980; Päpste und Papsttum 15 ).
Eine mehr konservative Position in dieser Frage hat der Geschichtler und Theologe P. Berglar eingenommen (Petrus. Vom Fischer zum Stellvertreter, München 1991). Er konvertierte aus der evangelischen Kirche und gehörte dann als Katholik zum „Opus Dei”. Von den neuen Methoden in der Exegese der Bibel hat er jedoch die Wirkungsgeschichte der Petrus-Texte im Neuen Testament berücksichtigt. Das „Amt Petri” konnte wegen der Gründung der Kirche durch Jesu von Nazareth nicht nur mit der Person des Apostels Petrus verbunden sein. Nach dem Willen Jesu sollte es auch nach seinem Abgang, in der Kirche fortdauern. Das Petrus Buch von Berglar ist ein Bekenntnis des Glaubens eines Konvertiten an den Primat Petri und an sein Fortdauern bis heute in dem 266. Nachfolger auf seiner „Cathedra” in Rom (Johannes Paulus II). Alles was mit dem heiligen Petrus geschah, hatte den Charakter eines Paradigmas für den ganzen weiteren Verlauf der Ge-schichte des Christentums. Die Kirche von Jerusalem wird jedoch nach dem Jahre 42 (Apg. 12,14) von Jakobus, dem Bruder des Herrn geführt, doch durch die Beauftragung und in Stellvertretung von Simon Petrus. Petrus war das „Haupt” der Apostel, Jesus aber selbst „das Haupt” seiner Kirche. Apg 12,17 sollte mehr in den Diskussionen über Petrus und seine Funktion in der Kirche berücksichtigt werden (Petrus in Antiochien von Syrien, in Rom in Italien). Petrus wirkte in Rom mit ganzer Sicherheit mindestens seit dem Jahr 58 nach Chr. bis zu seinem Märtyrertod unter der Herrschaft von Kaiser Nero (Jahr 64?).
Drei Faktoren haben darüber entschieden, daß Rom das Zentrum der sichtbaren Kirche geworden ist”: 1. Petrus hat in Rom die Kirche geleitet. 2. Das Christentum hat sich von dort auf die ganze von Rom beherrschte Welt verbreitet; 3. Das Martyrium Petri (des ersten „Papstes”) und auch des heiligen Paulus hat in dieser Hauptstadt derzeitigen Welt stattgefunden. Es bleibt das Problem, ob Rom bis ans Ende der Zeit ein Sitz des Stellvertreters Jesu Christi sein muß? Das unter der Schriftleitung des Journalisten R. Niemann herausgegebene Buch Petrus, der Fels des Anstoßes (Stuttgart 1994) muß negativ beurteilt werden, denn die Mitverfasser ließen sich durch ihre Ressentiments entgegen der römisch-katholischen Kirche gesamt mit dem Amt des Papstes völlig leiten und nicht vom Willen nach Suche der objektiven Wahrheit über Petrus und seine Nachfolger auf dem Bischofsstuhl in Rom geleitet worden sind.
P. Berglar hat den heiligen Petrus durch das Prisma Pius II. gesehen, der ihn faszinierte. Am Ende des Artikels zeigt der Verfasser, wie sieht Johannes Paulus sein Paradigma. Das Paradigma des heiligen Petrus in der Enzyklika Ut unum sint, die am 25. Mai veröffentlicht worden ist. Die katholische Kirche ist sich dessen bewußt, daß sie den Dienst des Nachfolgers des Apostels Petrus in der Person des Bischofs von Rom aufbewahrt hatte. Ihn hat Gott als „dauerhafte und sichtbare Quelle und als Fundament der Einheit eingesetzt. Der Heilige Geist unterstützt ihn, damit die Kirche auch andere zu Teilnehmern an diesem grundlegenden Gut mache. Die Fähigkeit des Primates ist ein Dienst, was ausgezeichnet die Benennung des Papstes als „servus servorum Dei” ausdrückt (vergl. Lk 22,27). Das Haupt der Kirche ist Jesus Christus. Die katholische Kirche ist überzeugt, daß sie übereinstimmend mit der apostolischen Tradition und mit dem Glauben der Väter in dem Dienst des Bischofs von Rom das sichtbare Zeichen und die Garantie der Einheit aufbewahrt hatte (Genf 1984). Die Funktion Petri soll in der Kirche fortdauern, damit sie in der Welt unter der Oberhoheit des einzigen Hauptes das Jesus Christus ist, sichtbare Gemeinschaft seiner Jünger sei. Der Papst ladet zur Suche nach solchen Formen der Ausübung des Amtes Petri ein, in denen eine Verwirklichung des Dienstes der Liebe von allen an Christus Glaubenden akzeptabel sein wird.
In den geführten Diskussionen wurde jedoch nicht genug oder vielleicht gar nicht hervorgehoben, daß das „Amt Petri” das große Charisma in der Kirche sei.

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Pisarek, S. (1996). Das Problem Petri in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Von Oscar Cullmann (1952) zu der Enzyklika Ut unum sint (25 V 1995) von Johannes Paulus II. Śląskie Studia Historyczno-Teologiczne, 29, 5–16. Retrieved from https://journals.us.edu.pl/index.php/ssht/article/view/21284

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Vol. 29 (1996)
Published: 2021-02-10


ISSN: 0137-3447
eISSN: 2956-6185

Publisher
Księgarnia św. Jacka

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