Published: 2000-12-31

Ekklesio-logisches Schöpfungswerk

Jerzy Cuda

Abstract

Der Mensch wird geschaffen („ex nihilo” – „ex amore”). Sein Schöpfer ist eine geheimnisvolle Lebenseinheit der Personenvielheit. Demzufolge muss auch der „nach Abbild” des Schöpfers geschaffene Mensch seine Identität in einer Lebenseinheit der Personenvielheit suchen. Diese Identität entsteht nicht „neben” der göttlichen Lebenseinheit, sondern „in ihr” (Joh 17,21). Der zur ewigen Lebenseinheit mit Gott führende Schöpfungsprozess des Menschen setzt sich also mit einem universalen Einigungsprozess gleich. Daraus ergibt sich, dass sowohl die Begriffe „Gott” und „Mensch” wie aueh der Begriff „Schöpfungsprozess” unbedingt „politisch” aufgefasst und interpretiert werden müssen. Diese Interpretationen münden in das Geheimnis Christi. Es ist ein Geheimnis der Dreifaltigkeit, die ihre Liebeseinheit mitteilen kann und will und deswegen im „Sohn” sich schöpferisch öffnet, um dem Menschen einen „Zugang” (Eph 2,18) zum Lebensgeheimnis seines Schöpfers zu ermöglichen (2 Petr 1,4). Die hier zum Vorschein kommende Christologik des anthropozentrischen Schöpfungswerks lässt den endgültigen Sinn dieses Werks verstehen (Kol 1,16). Das Schöpfungswerk als ein universaier Einigungsprozess (Eph 1,10) ist von Anfang an ekklesio-logisch („Ecclesia ab Adam”). Hier hat das Problem der Kirchengründung seinen Ausgangspunkt. Hinsichtlich dieser Behauptung darf man sagen, dass die menschliche Identität auch ekklesio-logisch ist, was auf eine Durchdringung der Begriffe „Mensch” und „Kirche” hinweist.
Der ekklesio-logische (einigende) Schöpfungsprozess („Bund”) hat von Anfang an eine dialogische Struktur haben müssen. Nachdem der Schöpfungsdialog unterbrochen worden ist, konnte seine Erneuerung nur durch neue schöpferische Initiative des „Sohnes” im „Christus” dem Menschen „gnadenhaft” geschenkt werden („creatio secunda”). Tatsächlich kam der „Sohn” in sein „Eigentum” (Joh 1,11) um „alles zu versöhnen” (Kol 1,20). Demzufolge hat die Leidensgeschichte ihren ekklesio-logischen Sinn wiedergewonnen und setzt aufs neue die schöpferische Anthropogenese fort. Jesus als Christus hat also diese Anthropogenese, das Geheimnis der Kirche nicht gegründet, sondern für ihre erneuerte Fortsetzung eine neue (sakramentale Wirkungsart festgelegt. Seitdem bleibt der Schöpfer („Vater” – „Sohn” – „Geist”) geschichtlich „bei” den Menschen „alle Tage” (Mt 28,20), um sie sakramental „in seine Gemeinschaft” ständig „einzuladen” und „aufzunehmen”. Hinsichtlich dieser ekklesio logischen Anthropogenese muss das heutige Suchen nach „kirchenlosen Christentum” für sinnlos gehalten werden. Wird dabei das Zusammenleben der Menschen in Frage gestellt, so braucht man eine ekklesio-logische Apologie der menschlichen Identität.

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Cuda, J. (2000). Ekklesio-logisches Schöpfungswerk. Silesian Historical and Theological Studies, 33, 173–183. Retrieved from https://journals.us.edu.pl/index.php/ssht/article/view/19925

Vol. 33 (2000)
Published: 2000-12-31


ISSN: 0137-3447
eISSN: 2956-6185

Publisher
Instytut Gość Media/Księgarnia św. Jacka

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