Published: 1982-12-31

Modell des christlichen Arbeiters in Oberschlesien in den Jahren 1890–1891 anhand der Zeitschrift „Praca”

Janusz Wycisło

Abstract

Die Tätigkeit der Kirche unter den in Oberschlesien in der zweiten Hälfte des XIX. Jahrhunderts herrschenden gesellschaftlichen, kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Bedingungen fand Ausdruck unter anderem in dem Pressorgan „Praca” des „Związek Wzajemnej Pomocy Robotników Górno-śląskich” (Bund der Gegenseitigen Hilfe der Oberschlesischen Christlichen Arbeiter), eines der ältesten polnischen Arbeiterbunde. Nach Ansicht von „Praca” müssten die Probleme der Werktätigen ausschliesslich im christlichen Geiste gelöst werden, in dem das Gebot der Gottes — und Nächstenliebe die oberste und unverändliche Norm ist. Die Publizistik von „Praca” wies dem moralisch und religiös gestalteten Arbeiter einen exakt umrissenen Platz in allen Bereichen, mit denen er verbunden war, in deren Kreis er lebte und arbeitete, die er auch nicht, „verlassen” konnte. Es sind: Staat, Betrieb, Familie und Kirche. „Praca” gab eingehende und konkrete Verhaltensmuster für den christlichen Arbeiter. Sie sollten dazu dienen, eine christliche Gesellschaft zu schaffen, in der den sog. „Staatstugenden”, die für die verschiedene soziale Stände verschieden waren, eine besondere Rolle zugewiesen war. Die „Staatstugenden” sollten Hilfe und Mittel dazu sein, Ruhe und Ordnung unter der Bevölkerung aufrechtzuerhalten, da diese von Gott selbst gewollt und deswegen erhalten werden mussten. In dieser Ordnung findet das in der christlichen Lehre bezeichnete moralisch-religiöse Modell des Arbeiters seinen Platz. Die allgemeine Konzeption der Gesellschaftsordnung, die als grundlegendes gesellschaftliches Wohl dargestellt wurde, war keine Originalkonzeption von „Praca”. Sie stützte sich auf die christliche Idee der Ordnung, die Leo XIII verkündete.
Diese Idee stammt aus der philosophischen Lehre des hl. Thomas von Aquin. Papst Leo XIII stützte sich auf den schöpferischen Gedanken von Thomas und passte ihn an den Begriff „ordo” an die veränderte sozialökonomische Bedingungen seiner Zeit. Nach Oberschlesien drang diese auf die Grundlagen der christlichen Moral aufgebaute Zukunftsvision durch die christlichgesellschaftliche Reformatoren aus Deutschland, vor allem durch Bischof Emanuel von Ketteler und seinen berühmten Schüler Dr. Franziskus Hitze.

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Wycisło, J. (1982). Modell des christlichen Arbeiters in Oberschlesien in den Jahren 1890–1891 anhand der Zeitschrift „Praca”. Silesian Historical and Theological Studies, 15, 137–150. Retrieved from https://journals.us.edu.pl/index.php/ssht/article/view/21942

Vol. 15 (1982)
Published: 1982-12-31


ISSN: 0137-3447
eISSN: 2956-6185

Publisher
Instytut Gość Media/Księgarnia św. Jacka

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